Wer sind Sie?

 

Zitate von Alan Watts

 

Wer sind Sie?

Wer sind Sie? Fragt man uns, wer wir sind, erzählen wir meist eine Art Geschichte. Sie beginnt mit dem Namen, den uns unsere Eltern gegeben haben, geht weiter über die Ausbildungsstätten, die wir besucht haben, bis hin zu unseren beruflichen Erfolgen. So entsteht ein kleiner Lebenslauf.
Der Buddhist sagt: „Die alten Geschichten können Sie vergessen. Das sind nicht Sie. Ich möchte Ihr wirkliches Ich in diesem Augenblick sehen."


 

 

Loslassen und Ausatmen

Wer an seinem Ich, seinem Leben, seinem Atem oder seinem Geist festhält, hält sich an Gott fest. Dann stirbt alles ab und versteinert. Wer aber loslassen und ausatmen kann, kann auch wieder Atem holen. Das ist Nirwana.

 

Nirvana

Um das Nirwana zu erfahren, braucht man sich gar nicht aus dieser Welt zu entfernen, denn das, was vorhanden ist, ist bereits Nirwana – im Hier und Jetzt.

 

Religion

Viele Menschen sagen, dass sie von einer Religion Halt erwarten. Ein Buddhist würde sagen, darum gehe es ganz und gar nicht. Solange man sich an etwas festhält, hat man keine Religion. Nur wer vollständig loslassen kann, nur wer für sein seelisch-geistiges Gleichgewicht keine fixe Idee braucht, ist wirklich da.

 

Die Natur brüstet sich nicht

Die Natur brüstet sich nicht, dass sie Natur ist, noch hält das Wasser über die Technik des Fliessens eine Tagung ab. So viel Gerede wäre an die verschwendet, die es nicht brauchen. Der Mensch des Tao lebt im Tao wie ein Fisch im Wasser. Wenn wir dem Fisch beizubringen versuchen, dass Wasser physikalisch aus zwei Drittel Wasserstoff und einem Drittel Sauerstoff besteht, würde er sich schieflachen. 

 

Dummes Zeug austreiben

Denn obwohl wir mit einer Hand das Ich kultivieren, drücken wir es mit der anderen Hand zu Boden. Von Generation zu Generation treiben wir unseren Kindern “dummes Zeug” aus und lehren sie zu sehen wo “ihr Platz” ist, und wie man als kleines Ich unter vielen anderen sich mit der angemessenen Bescheidenheit zu verhalten, wie man zu denken und zu fühlen hat.

 

Das Geheimnis des Lebens

Das Geheimnis des Lebens ist kein Problem, das gelöst werden kann, sondern eine Realität, die erfahren werden muss.

 

Der eigene Weg

Daher ist der «eigene Weg» jedes einzelnen der «eigene Weg» des Universums, des Tao. Weil alle Lebewesen voneinander abhängen, werden sie in Harmonie sein, wenn man sie in Ruhe lässt und sie nicht zwingt, irgendeinem willkürlichen, künstlichen und abstrakten Ordnungsbegriff zu entsprechen, und diese Harmonie ist tzu-jan, aus sich selbst, ohne äußeren Zwang.

 

Tautropfen

Stellen Sie sich ein mehrdimensionales Spinnennetz voller Tautropfen vor. Jeder Tautropfen enthält die Reflexion aller anderen Tautropfen, und in jedem reflektierten Tautropfen ist auch die Reflexion dieser Reflexion enthalten – und so geht es endlos weiter. Dies ist das Bild der buddhistischen Vorstellung vom Universum.

 

Auf den Punkt

So wie man jeden Punkt auf der Oberfläche einer Kugel als den Mittelpunkt der Oberfläche ansehen kann, so kann auch jedes Körperorgan und jegliches Wesen im Kosmos als seine Mitte und sein Herrscher gelten.

 

Bewusstsein und Universum

So wie das Universum unser Bewusstsein produziert, so ruft unser Bewusstsein das Universum hervor, und diese Erkenntnis transzendiert und beendet die Debatte zwischen Materialisten und Idealisten (oder Mentalisten), Deterministen und Verfechtern des freien Willens, die das yin und das yang in den philosophischen Ansichten vertreten.

 

Lebenskunst

Lebenskunst... ist weder ein sorgloses Dahintreiben noch ein angstvolles Festklammern an der Vergangenheit... Sie besteht darin, in jedem Augenblick ganz einfühlsam zu sein, ihn als völlig neu und einzigartig anzusehen und das Bewusstsein offen und ganz und gar empfänglich zu halten.

 

Die Zukunft sehen

Je sicherer und je deutlicher man die Zukunft sieht, desto mehr kann man sagen, dass man sie bereits hinter sich hat. Wenn der Ausgang eines Spiels sicher ist, dann möchten wir gar nicht mehr weiterspielen, sondern fangen ein neues Spiel an.

 

Erleuchtung

Im Zen vergleicht man jemanden, der erleuchtet worden ist, mit einem Stummen, der etwas Wunderbares geträumt hat. Wenn man etwas Schönes geträumt hat, möchte man gern jedem davon erzählen, und gerade das kann der Stumme nicht tun.

 

Seinen Geist beherrschen

Hinter dem Versuch, seinen Geist zu beherrschen, steckt das Bedürfnis, sich festzuhalten und sich zu schützen, ein Mangel an Vertrauen und Liebe. Wenn der Schüler das begriffen hat, kehrt er zum Lehrer zurück und sagt:
„Meine Schwierigkeit liegt darin, dass ich meine Wünsche nicht ausschalten kann, denn das Bemühen, dies zu tun, ist ja auch schon ein Wunsch. Ich kann meine Selbstsucht nicht auslöschen, denn wenn ich die Selbstsucht aufgebe, tue ich dies aus Selbstsucht."